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Nähen als Mann und warum es Spaß macht

Ich habe mich gefragt, warum mir das Nähen solch ein Spaß und gute Laune bereitet. Was steckt dahinter, dass es so erfüllend ist? Und das noch als Mann, was ja doch außergewöhnlich ist.

Nähen – der Anfang

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Das erste Projekt: eine Hose aus Jersey mit Bündchen von einem eigenem Schnittmuster

Ich gebe gerne zu, dass meine Partnerin mich darauf gebracht hat. Eines Abends stand eine Nähmaschine mit Zubehör bei uns – mitgebracht von der Mutti meiner Partnerin. Es dauerte ungefähr zwei Wochen, dann packte auch mich das Nähfieber. Wie wird der Oberfaden und Unterfaden eingefädelt? Was muss ich drücken um loszulegen – und was gibt es denn alles für Stiche?

Die ersten Nähproben waren gemacht, es funktionierte alles. Also ab an ein echtes, richtiges Projekt. Die erste Hose für unseren Kleinen sollte es sein. Ein Schnittmuster aus dem Netz war die Vorlage. Was kam raus? Eine viel zu kleine Hose. Verdammt, nochmal.

Also ein eigenes Schnittmuster machen von einer aktuellen Babyhose. Anlegen, abzeichnen, ausschneiden, nähen. Es dauerte mehrere Stunden und heraus kam eine passende Babyhose – aus Jersey und mit Bündchen. Na, ich sag euch, ich war stolz wie ein Schneekönig.

Danach kamen weitere Hosen dran. Dann Halstücher, dann eine Handytasche, dann Mützen und Westen. Es wurde ausprobiert was mir in den Sinn kam. Die Hosen häuften sich, wir verschenkten sie schon an andere Eltern. Bald musste eine Overlock-Nähmaschine her, mit der ab sofort alles schneller, genauer und besser funktionierte. Der fast wöchentliche Besuch auf einem Stoffmarkt rundete das neue und aufregende Hobby ab.

Warum es mir Spaß macht zu Nähen

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Auch die genähten Sachen schön zu verpacken macht Spaß – mit einem eigenen Etikett

Es hat etwas Urtümliches an sich für mich. Genäht wird schon Jahrhunderte lang. Es ist ein Handwerk, wie Schreiner oder Töpferer. Das Ergebnis, das fertige Kleidungsstück, wird geschickt aus einzelnen Teilen zusammengesetzt. Man benötigt schon Fingerspitzengefühl und Übung. Aber am Ende hat man ein Kleidungsstück, was man täglich nutzen kann. Ich kann es verschenken, selbst anziehen, meinem Kind anziehen. Ich kann es anfassen, es fühlen, daran riechen.

Normalerweise sitze ich auf Arbeit vor einem Rechner und das die ganze Woche lang. Ich setzte für Kunden viele digitale Projekte um: Websites, Apps für Smartphones, Online-Konzepte sowie Internet-Marketing. Und das was mich schon immer daran gestört hat, ist, dass ich die Ergebnisse nicht anfassen kann, ich kann sie nicht fühlen, nicht in der Realität sehen, sondern nur auf einem Bildschirm. Ich brauche immer ein Smartphone oder einen Computer um die Dinge anzuschauen. Ich brauche immer Strom, ich brauche fast immer das Internet.

Auch kann kann ich Digitales nicht schön verpacken, dann verschenken und jemanden damit eine Freude machen. Digitales ist nicht greifbar für mich, es sind ein paar Bits und Bytes die auf Festplatte liegen. Alles ist Natur, jedoch ist das Digitale für mich sehr weit von einem Natürlichen entfernt. Ich denke, dadurch kann auch keine solche Beziehung aufgebaut werden, wie zu einem selbst genähten Teddy.

Nähen ist die gefundene Abwechslung zur digitalen Welt, welche langsam ein Übermaß annimmt und die „natürliche“ Welt immer mehr zurückdrängt. Immer öfters kommen E-Mails an, immer öfters piept das Smartphone – davon brauche ich Abstand.

Nähen als Mann – warum nicht!

Was spricht dagegen das Männer nähen? Oder dürfen Männer nur Designer sein? Ich kenne jedenfalls keine Gründe. Trotzdem schauen mich andere Männer schief an und können damit nichts anfangen. Keine Nachfragen, kein Interesse. Oder haben sie Angst, dass sie zu weiblich dadurch sind und bei anderen Männer als Luschen angesehen werden? Als wenn das ein Tabu wäre und Nähen nur was für Frauen wäre. Mit Frauen kann ich mich jedoch sehr gut darüber unterhalten – über zukünftige Projekte, über Ideen und Nähtechniken.

Ok, stimmt, ich habe keinen Lust mehr auf diese „Boah-was-eine-geile-Karre“-Männer die sich auf DMAX anschauen, wie monströse Gefährte einen Wald abholzen oder öltriefende Fischkutter die Beringsee leer fischen. Ich habe Lust auf was Handwerkliches, auf was Kreatives, wo ich Fantasie einbringen und dies mit Geschick verbinden kann. Es macht Spaß die Dinge zu lernen – auch noch als Erwachsener. Ich habe mir vorgenommen, in Zukunft auf diese Thematik „Als Mann nähen“ noch näher einzugehen.

Nähbeispiele aus eigenen Schnittmustern

Ich möchte euch noch einige Eindrücke vorstellen, welche in der letzten Zeit entstanden sind. Klickt einfach auf das Bild und ihr seht es in einem größeren Format. Alles Schnittmuster haben wir selbst erstellt von vorhandener Kleidung unseres Kindes.

Ach ja, noch mehr von uns Beiden findet ihr bei Instagram unter dem Nutzer guggus_design sowie auch auf Pinterest unter dem Nutzer guggusdesign. Schaut gleich drauf und hinterlasst uns doch ein Kommentar. Wir freuen uns auf einen Erfahrungsaustausch mit euch.

Beste Grüße
Martin

Ein Kommentar

  1. Jana Jana

    Hallo Martin,

    es ist kurios. Um Platz zu haben für die Nähmschine meiner Mutter habe ich meinen Schreibtisch aufgeräumt. Dabei ist mir der Zettel mit eurer guggus-Adresse in die Hände gefallen. Jetzt schaue ich mir eure Sachen an und finde sie sehr schön (besonders die kuschlige Jacke und die Weste!). Und mir fällt ein, wie ich Kleine-Jungs-Hosen und Faschingskostüme für meine Kinder genäht habe.
    Feine Sachen macht ihr! Und was Greifbares schaffen ist einfach toll. Mit eurem Kleinen wachsen sicher auch die Projekte. Liebe Grüße!

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