Das Stoffuniversum – meine Erfahrung mit Jersey

Mit Jersey hat meine Nähliebe begonnen

Früher mochte ich das Nähen nicht. Meine Oma nähte vor allem Vorhänge und Polsterbezüge oder praktisches wie Hosenkürzen. Als ich mein erstes Kind bekam, änderte sich das (wie bei vielen Müttern). Ich sah diese wunderschönen Pumphosen damals, die gab es nur bei Dawanda. Allerdings nicht gerade günstig (natürlich zurecht). Wir überlegten lange, ob wir dreißig Euro für eine Babyhose ausgeben konnten uns haben uns letztlich eine geleistet. Ich hebe sie immer noch auf als Erinnerung. Sie war aus braunem Cord, mit geringelten Bündchen, ganz schlicht ohne Taschen. Diese Hose war schnell mein absoluter Liebling. Es gab aber auch viele wunderschöne Hosen mit Mustern und mein Mann und ich überlegten, ob wir sie nicht selbst nähen könnten. Mit der alten Nähmaschine meiner Mutter haben wir die erste Pumphose genäht. Den Stoff hatten wir vom Stoffmarkt und es war ein Jersey. Wir waren stolz wie Bolle auf diese erste Hose. Und von diesem Zeitpunkt hat uns das Nähfieber gepackt.

Riesenauswahl Stoffe

Die Auswahl an Jersey auf dem Stoffmarkt hat mich umgehauen. Die Qual der Wahl, ich konnte mich nicht entscheiden. Stoff ist für mich etwas wertvolles geworden. Sah ich im Internet Blogs, wo es Nähzimmer und Riesenauswahl an Stoffen gab, dachte ich, so muss ein wahrgewordener Traum aussehen. Ich überlegte, mehr für andere zu nähen und auch Hosen zum Verkauf anzubieten, doch dieses Universum an Stoffen und Möglichkeiten hat mich überfordert. Ich hatte auch Angst, dass die Nähte zu schlecht sind und die Qualität nicht standhalten kann. Trotzdem nähte ich für andere – weil ich einen Riesenspaß daran hatte und ich auch Anerkennung bekam. Ich verschenkte so einiges. Bis heute mache ich das am liebsten.

Jersey hat viele Facetten

Es hat lange gedauert bis mir klar geworden ist, dass Jersey erstmal nur ein Begriff für elastische Stoffe ist. Der Name Jersey kommt vermutlich von der britischen Insel, auf der dieser Strickstoff hergestellt wurde. Die andere Kategorie sind die Webstoffe, die nicht elastisch sind. Wie der Name schon sagt, ist Webstoff gewebt, Jersey ist gestrickt. Ursprünglich wurde er deshalb auch aus Wolle hergestellt. Heute kann er aus Baumwolle, Wolle, Viskose und anderen Garnen bestehen. Dabei gibt es ganz verschiedene Arten von elastischen Stoffen. Der typische Jersey ist ist der Single Jersey, eher dünn, er kann allerdings auch in guter und schlechter Qualität daher kommen. Er hat eine „richtige, rechte“ Seite (oft farbig oder bedruckt) und eine „linke“ Seite, die meistens weiß ist. Er hat oft einen Elastananteil um die 5 Prozent. Der Rest des Stoffes ist im besten Falle aus Baumwolle, im allerbesten aus biologischem Anbau.

Jersey wäre auch ohne Elasthan elastisch

Jersey ist gestrickter Stoff, der auch ohne Elastan dehnbar ist. Das ist mir erst spät klar geworden. Gestrickter Stoff ist immer dehnbar. Elasthan als chemischer Zusatz ist im Grunde nicht notwendig. Elasthan hat den Effekt, dass der Stoff etwas stabiler in Form bleibt, doch dafür vermischt man biologisch abbaubaren Stoff mit Chemiefasern. Das bedeutet, dass er schwerer abgebaut werden kann.

Wie ich Jersey bewerte

Ich für mich habe mit der Zeit herausgefunden, dass der dünne Jersey, der Single-Jersey, mehr für Sommerkleidung geeignet ist. Und zwar eher für Kinder. Denn er ist so leicht, dass er kaum kaschiert. Wenn ich mal ein Oberteil daraus für mich genäht habe, habe ich es nicht gerne getragen. Es hatte keinen guten Fall und hat die unperfekten Stellen eher betont 🙂

Am ehesten gefällt er mir als Futterstoff – wie z.B. in einer Wollwalkjacke – oder als leichte Kleidung für Kinder. Leichte Sommerhosen oder Shirts nähe ich gerne daraus. Ich habe ihn immer mit der Overlock vernäht oder mit einem Zickzackstich versäubert, aber man muss Jersey nicht versäubern. Er rollt sich leicht ein, geht aber im Prinzip nicht auf.

Mittlerweile gibt es immer mehr Stofflabel, die für spezielle Werte stehen. Die Stoffe werden biologisch, möglichst regional und möglichst fair produziert. Jersey-Stoffe von diesen Stoffmarken sind besonders hochwertig. Leider auch entsprechend teurer. Wenn man sich aber ein langlebiges Kleidungsstück herstellen will, lohnt es sich, in qualitativ hochwertigen Stoff zu investieren. Ich weiß, dass andere Jersey auch sehr gerne für sich vernähen, doch für mich persönlich sind einfach dickere Varianten angenehmer. Zum Beispiel Modal-Jersey, der etwas dicker ist als Single-Jersey und noch relativ weich. Oder Romanit-Jersey, der insgesamt noch fester ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.